Bestand und Sanierung

Wärmeschutznachweis im Bestandsgebäude

Im Bestand denkt das GEG anders als beim Neubau. Statt Bilanz für das ganze Haus reicht oft der Bauteilansatz für die einzelne Maßnahme, statt Pflicht herrscht Wahlfreiheit, statt Wärmepumpe sind Hybridlösungen erlaubt. Auf dieser Seite klären wir, wann der Wärmeschutznachweis Pflicht wird, welche U Werte die GEG Anlage 7 verlangt, wie BEG Förderung andockt, was die kommunale Wärmeplanung mit Ihrem Heizungsplan macht und wie Sie sauber sanieren statt teuer nachzubessern. Vierzehn Minuten.

Wann ist der Wärmeschutznachweis bei einer Sanierung Pflicht?

Der Wärmeschutznachweis wird im Bestand fällig, wenn mehr als 10 Prozent der Fläche eines Außenbauteils getauscht werden, bei Anbau oder Aufstockung über 50 Quadratmeter beheizter Nutzfläche, beim Heizungstausch nach Paragraph 71 des Gebäudeenergiegesetzes sowie bei wesentlicher Nutzungsänderung. Wie tief die Sanierung in Hülle oder Anlagentechnik eingreift, entscheidet also über die Pflicht.

Bauteiltausch über 10 Prozent

Wenn mehr als 10 Prozent der Fläche eines Außenbauteils getauscht oder neu beplankt werden, gilt das GEG. Der Nachweis dokumentiert die neuen Bauteilkennwerte und U Werte und vergleicht sie mit den GEG Höchstwerten.

Anbau und Aufstockung

Wächst die beheizte Nutzfläche um mehr als 50 Quadratmeter, gilt sie als Neubauteil mit voller Bilanzpflicht. Schmaler Anbau ohne diese Schwelle bleibt im Bauteilansatz.

Heizungstausch

Mit dem GEG Paragraph 71 ist der Heizungstausch ein eigener Anlass. Der Nachweis prüft die 65 Prozent Erneuerbaren Quote und dokumentiert sie für die kommunale Wärmeplanung.

Nutzungsänderung

Wer Wohnen aus Gewerbe macht, beheizt mit anderen Profilen. Der Nachweis stellt die neue Bilanz auf und schlägt typisch eine Verbesserung der Hülle vor.

Bauteilanforderungen Bestand

Die GEG Anlage 7 legt für sanierte Bauteile U Wert Höchstwerte fest: Außenwand 0,24, geneigtes Dach 0,24, oberste Geschossdecke 0,24, Bodenplatte 0,30, Fenster 1,30 und Außentüren 1,80 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Diese Werte sind weniger streng als beim Neubau, aber noch immer ambitioniert.

BauteilU max GEGBEG Standard typischEH 70 Sanierung
Außenwand0,240,200,16
Dach geneigt0,240,180,14
Oberste Geschossdecke0,240,180,14
Bodenplatte0,300,280,22
Fenster Uw1,301,100,95
Außentüren1,801,601,30
Wärmebrücken0,10 pauschal0,05 nach Beiblatt 20,03 mit Detailberechnung

Bauteilansatz oder Bilanzansatz

Bei einer Sanierung haben Sie die Wahl. Bauteilansatz nutzt die Tabelle aus Anlage 7. Bilanzansatz rechnet das ganze Gebäude und nutzt die Reserven, etwa wenn nur ein Bauteil verbessert wird.

Effizienzhaus Sanierung

EH 85, EH 70, EH 55 oder EH 40 Sanierung. Die Stufen verlangen striktere Werte, bringen aber Tilgungszuschüsse und Investitionszuschüsse.

Bauteilaufbau aufnehmen

Steht der Bauteilaufbau wackelig, taugt die Berechnung wenig. Geschätzte U Werte bringen entweder zu viel Förderung in Gefahr oder zu wenig auf den Antrag. Drei Wege zur belastbaren Schichtenaufnahme.

Termin vor Ort

Der Energieberater inspiziert das Gebäude, vermisst Bauteile, misst Kellerwand und Bodenplatte. Mit endoskopischer Kamera in einer Probebohrung wird der Wandaufbau sichtbar, Dachschichten werden über Dachrandanschlüsse erschlossen. Aufwand circa drei bis vier Stunden für ein Einfamilienhaus, Kosten zwischen 250 und 500 Euro.

Bauakte einsehen

Bei Gebäuden ab Baujahr 1978 liegen oft prüffähige Wärmeschutzberechnungen in der Bauakte. Bauamt oder Vorbesitzer geben Akten heraus, ein Termin im Stadtarchiv kostet meist nur eine Verwaltungsgebühr. Schichtaufbauten und U Werte lassen sich daraus übernehmen, allerdings nur, wenn keine wesentlichen Eingriffe nachträglich erfolgt sind.

Typische Bauweise je Baualter

Reicht weder Akte noch Termin, hilft die Tabelle der GEG Anlage 5 mit Standardwerten je Baualter. Sie liefert pauschale U Werte, etwa 1,4 für Außenwände aus den 1960ern oder 2,7 für ungedämmte Steildächer. Diese Annahme ist konservativ und bringt keine BEG Förderung, weil die Tabelle nicht für Effizienzhaus Sanierungen anerkannt ist. Für eine Sanierungsbewertung greift sie als Notlösung.

BEG Förderkulisse

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude koppelt Investition und Hülle. Wer im Bestand saniert, hat sechs Töpfe zur Auswahl, die sich teilweise kombinieren lassen.

BEG EM

Einzelmaßnahmen wie Außenwand, Dach, Fenster. 15 bis 20 Prozent Zuschuss, mit iSFP plus 5 Prozent Bonus.

BEG WG

Effizienzhaus Sanierung Wohngebäude. Tilgungszuschuss bis 25 Prozent auf 150.000 EUR Kredit pro Wohneinheit.

BEG NWG

Nichtwohngebäude. Effizienzgebäude 70 oder besser, separate Programme für Kommunen.

Heizungsförderung

Wärmepumpe, Solarthermie, Pellet. Grundförderung 30 Prozent, Boni für Effizienz und Klimageschwindigkeit.

iSFP Bonus

Sanierungsfahrplan vom Energieberater bringt Plus 5 Prozent auf jede geförderte Maßnahme im Bestand.

Worst Performing Building

Plus 10 Prozent Bonus für die schlechtesten 25 Prozent im Gebäudebestand bei BEG WG Sanierung.

Gilt beim Heizungstausch im Bestand die 65 Prozent Quote?

Die 65 Prozent Quote für erneuerbare Energien greift im Bestand erst, wenn die jeweilige Kommune ihre Wärmeplanung vorgelegt hat; bis dahin sind Reparatur, Brennwerttechnik und Hybridlösungen zulässig. In der Praxis sehen wir drei verbreitete Wege. Wer reversible Wärmepumpen oder Klimasplit Geräte als Hybrid Variante mitdenkt, sollte parallel eine Kühllastberechnung für Hybrid Systeme nach VDI 2078 anstoßen, damit die Anlage im Sommer nicht überdimensioniert läuft.

Wärmepumpe

Erste Wahl

Bei guten Hüllen und niedrigen Vorlauftemperaturen. Förderung bis 70 Prozent in Summe möglich. Vor der Auslegung lohnt eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.

Hybrid Gas Solar

Übergang

Solarthermie deckt Trinkwarmwasser, Gas Brennwert die Spitzenlast. Quote rechnerisch nachweisen.

Pellet oder Biomasse

Bei Bestand mit Heizkörpern

Hohe Vorlauftemperaturen möglich, Förderung mit Klimageschwindigkeitsbonus.

Ab wann greift die kommunale Wärmeplanung?

Großstädte ab 100.000 Einwohnern müssen ihren Wärmeplan bis Mitte 2026 vorlegen, kleinere Kommunen bis Mitte 2028; erst danach gilt vor Ort die volle 65 Prozent Quote für neue Heizungen. Das Wärmeplanungsgesetz nimmt die Kommunen in die Pflicht, und wer früher saniert, muss seine Lösung zur späteren Versorgung passend machen.

Was bis dahin gilt

Für Bestandsgebäude in Kommunen ohne Wärmeplan greifen Übergangsregeln. Defekte Heizungen dürfen mit Brennwert weiterbetrieben werden, sofern die Reparatur unter 30 Prozent der Kosten einer Neuanlage bleibt. Ein neuer Gas oder Öl Kessel ist möglich, muss aber mit einer Hybrid Lösung kombiniert werden, sobald die Frist der Kommune ausläuft.

Anschlusspflicht oder Wahlfreiheit

Sieht der Wärmeplan ein Wärmenetz für eine Straße vor, kann die Kommune Anschluss und Benutzungspflicht erlassen. Eigentümer geben die individuelle Heizung auf, Hausanschluss und Übergabestation übernehmen die Versorgung. Sieht der Plan kein Netz vor, bleibt Wahlfreiheit zwischen Wärmepumpe, Pellet, Solarthermie oder Stromdirektheizung.

Auswirkung auf den Wärmeschutznachweis

Liegt der Wärmeplan vor, wird die geplante Versorgung im Nachweis dokumentiert. Dort, wo ein Wärmenetz später kommt, kann eine Hybrid Lösung im Übergang bilanziert werden, ohne dass spätere Anschlussverpflichtungen den Nachweis ungültig machen. Förderanträge bei der KfW oder BAFA prüfen die Konsistenz mit dem kommunalen Plan, deshalb sollte der Aussteller die aktuelle Lage der Kommune kennen.

Worst Performing Building Bonus

Gehört das Gebäude zu den 25 Prozent ineffizientesten in seiner Klasse, addiert die KfW zehn Prozent Bonus auf den Tilgungszuschuss bei BEG WG Sanierung. Maßgeblich ist die Energieeffizienzklasse F bis H aus dem Energieausweis. Wer ein H Gebäude auf Effizienzhaus 70 saniert, kombiniert mit iSFP Bonus und Worst Performing Bonus über vierzig Prozent gesamten Zuschuss.

Brauche ich für die Förderung einen individuellen Sanierungsfahrplan?

Ein individueller Sanierungsfahrplan ist nicht verpflichtend, erhöht aber den Fördersatz jeder darin aufgeführten Einzelmaßnahme um 5 Prozentpunkte, sofern er von einer in die Energieeffizienz Expertenliste eingetragenen Person erstellt wird. Er zeichnet den Weg vom Ist Zustand zum Effizienzhaus, wird vom Energieberater erstellt und von der BAFA gefördert.

Aufnahme vor Ort

Der Berater nimmt das Gebäude vor Ort auf. Bauteilaufbau, Heizung, Lüftung und Verbrauch werden dokumentiert.

Mehrere Pfade

Der iSFP zeigt zwei oder mehr Sanierungspfade mit Maßnahmen, Kosten, Förderung und Wirkung auf Q P. So vergleichen Sie Schritte gegen das Ziel EH 55.

Verbindung zum Wärmeschutznachweis

Sobald eine Maßnahme umgesetzt wird, baut der Wärmeschutznachweis auf den Daten des iSFP auf. Aufbauten und Anlagentechnik werden übernommen. Bei späterem Verkauf entsteht aus diesen Daten ein Bedarfs Energieausweis ohne erneute Aufnahme.

Praxisfall

Sanierung Altbau Hamburg, Baujahr 1972

Wohnfläche 142 Quadratmeter, einschalige Außenwand mit 28 cm Mauerwerk, Dach ungedämmt, Fenster aus den 90er Jahren. Hybrid Lösung mit Gas Brennwert plus Solarthermie auf Trinkwarmwasser.

Maßnahmen, neue 16 cm Außenwanddämmung, Aufsparrendämmung 18 cm, Fensteraustausch auf Dreischeibe Uw 0,90, Lüftung mit Wärmerückgewinnung. EH 70 Sanierung mit BEG WG plus iSFP Bonus.

Steht im Anschluss ein Verkauf an, lässt sich die Wertsteigerung beim Verkauf bewerten und parallel eine prüfsichere Wohnflächenberechnung aus dem gleichen Datensatz ableiten.

Eckdaten

Wohnfläche
142 m²
Baujahr
1972
U Wand neu
0,21
U Dach neu
0,16
Fenster Uw
0,90
Förderung
BEG 70
iSFP Bonus
+5 Prozent
Bearbeitung
5 Tage

Stolperfallen Sanierung

Sechs Fehler, die im Bestand häufig auftauchen.

  1. Bauteilaufbau geschätzt. Ohne genaue Aufnahme falsche U Werte. Ein Termin vor Ort lohnt sich.
  2. Wärmebrücken am Anschluss. Sockel, Laibung, Attika. Hier entstehen die meisten Tauwasser Probleme.
  3. iSFP zu spät. Bonus gilt nur, wenn der iSFP vor der Maßnahme erstellt wurde.
  4. Heizungstausch ohne Hülle. Wärmepumpe bei schlechter Hülle bedeutet hohe Vorlauftemperaturen und schlechte JAZ.
  5. Förderantrag nach Auftrag. BEG Anträge müssen vor Vergabe gestellt werden.
  6. Aussteller ohne KfW Eintrag. Ohne Energieeffizienz Experte keine BEG Förderung.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist der Nachweis bei Sanierung Pflicht?

Sobald mehr als 10 Prozent einer Bauteilfläche getauscht wird, oder bei Anbau und Aufstockung mit mehr als 50 Quadratmetern. Bei Heizungstausch greift Paragraph 71 GEG.

Welche U Werte gelten im Bestand?

Außenwand 0,24, Dach 0,24, oberste Geschossdecke 0,24, Fenster 1,30, Türen 1,80. Werte gelten als spezifische Höchstwerte je Bauteil nach GEG Anlage 7.

Wie hoch ist die BEG Förderung?

Bis zu 50 Prozent der Beraterkosten erstattet die BAFA. Für Einzelmaßnahmen 15 bis 20 Prozent Investitionszuschuss, mit iSFP Bonus weitere 5 Prozent.

Brauche ich einen iSFP?

Pflicht ist er nicht, aber er bringt 5 Prozent Bonus auf jede geförderte Maßnahme. Voraussetzung ist die Erstellung durch einen Energieeffizienz Experten.

Was kostet der Nachweis bei Sanierung?

Online ab 249 EUR Festpreis, klassische Energieberater zwischen 350 und 900 EUR je nach Bauteilanzahl und Anlagentechnik.

Wann greift die kommunale Wärmeplanung in meinem Ort?

Großstädte ab 100.000 Einwohnern müssen bis Mitte 2026 einen Wärmeplan vorlegen, kleinere Kommunen bis Mitte 2028. Erst danach greift die volle 65 Prozent Quote für neue Heizungen. Bis dahin sind Reparatur und Hybrid Lösungen erlaubt.

Was ist der Worst Performing Building Bonus?

Wenn das Gebäude zu den 25 Prozent ineffizientesten in seiner Klasse zählt, addiert die KfW zehn Prozent Bonus auf den Tilgungszuschuss bei BEG WG Sanierung. Maßgeblich ist die Energieeffizienzklasse F bis H aus dem Energieausweis.

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Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Wärmeschutznachweis, GEG, KfW-Effizienzhausstufen und U-Wert-Berechnung nach DIN EN ISO 6946.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 9. Juni 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • GEG Gebäudeenergiegesetz
  • DIN EN ISO 6946 U-Wert-Berechnung
  • BEG WG, BEG EM, KfW-Förderkonditionen
  • BAFA-Liste Energieeffizienz-Experten
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 9. Juni 2026. Frühere Stände sind über das Impressum nachfragbar.

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