Baudenkmal

Wärmeschutz beim Baudenkmal

Beim Baudenkmal erlaubt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), bis 28.07.2026 Gebäudeenergiegesetz (GEG), Abweichungen, wenn die Substanz oder das Erscheinungsbild leidet. Diese Seite erklärt die Ausnahmen nach Paragraph 105, die Innendämmung mit kapillaraktiven Systemen, den Feuchteschutz und die Förderung Effizienzhaus Denkmal.

Wärmeschutz beim Baudenkmal

Baudenkmäler und besonders erhaltenswerte Bausubstanz nehmen im GModG eine Sonderstellung ein. Wo eine energetische Maßnahme die historische Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen würde oder unwirtschaftlich wäre, darf von den Anforderungen abgewichen werden. Geregelt ist das in Paragraph 105 des GModG, der mit der Umbenennung am 29.07.2026 inhaltlich unverändert geblieben ist.

Beim Energieausweis gilt für Baudenkmäler bis 31.12.2026 eine Sonderregel: Die Pflichten nach Paragraph 80 Absatz 3 bis 7 bei Verkauf und Vermietung sind auf sie nicht anzuwenden (Paragraph 79 Absatz 4). Ab 01.01.2027 entfällt diese Ausnahme, der neue Paragraph 79 Absatz 4 nennt nur noch Gebäude der Landesverteidigung und kleine Gebäude. Von den Mindestanforderungen an bestehende Nichtwohngebäude, die ab 01.01.2030 gelten (Paragraph 40), sind Baudenkmäler ausgenommen.

Welche Anforderungen entfallen können

Paragraph 105 kennt drei Tatbestände: die Beeinträchtigung der Substanz, die Beeinträchtigung des Erscheinungsbilds und einen unverhältnismäßig hohen Aufwand. Liegt einer davon vor, kann von der jeweiligen Anforderung abgewichen werden. Die Ausnahme wirkt kraft Gesetzes; Eigentümer und Energieberater sollten sie zusammen mit der Denkmalbehörde dokumentieren.

Bauteil oder PflichtAnforderung nach Paragraph 36 und Anlage 7Beim Denkmal nach Paragraph 105
Außenwand bei ErneuerungU bis 0,24 W/(m²K)Abweichung, wenn Außendämmung das Erscheinungsbild beeinträchtigt
Fenster bei AustauschUw bis 1,30 W/(m²K)Abweichung für denkmalgerechte Fenster möglich
Dach und oberste GeschossdeckeU bis 0,24 W/(m²K)Abweichung bei Beeinträchtigung der Substanz
Begrenzte Dämmdickehöchstmögliche Dicke mit Lambda bis 0,035greift typisch bei der Innendämmung

Quelle: GModG Paragraph 105, Paragraph 36 und Anlage 7. Bei Änderung von höchstens 10 Prozent einer Bauteilfläche entfällt die Anforderung ohnehin.

Innendämmung im Bestand

Weil eine Außendämmung die historische Fassade verändert, ist beim Denkmal meist nur die Innendämmung möglich. Kapillaraktive, diffusionsoffene Systeme gelten als feuchtetechnisch robust, weil sie Tauwasser zwischenspeichern und wieder abgeben. Kalziumsilikatplatten sind ein verbreitetes Beispiel; sie wirken alkalisch und schimmelhemmend und kommen ohne separate Dampfbremse aus.

SystemWärmeleitfähigkeit LambdaEigenschaft
Kalziumsilikat0,050 bis 0,067 W/(mK)stark kapillaraktiv, ohne Dampfbremse
Mineraldämmplatte0,042 bis 0,050 W/(mK)kapillaraktiv, nicht brennbar
Holzfaser innen0,037 bis 0,052 W/(mK)sorptiv, mit feuchtevariabler Dampfbremse
Aerogel oder Calostat0,019 bis 0,022 W/(mK)sehr dünn, für sehr knappe Tiefen

Lambda-Werte nach Herstellerangaben. Die erreichbaren U-Werte sind projektbezogen zu berechnen.

Feuchteschutz und Nachweis

Bei der Innendämmung liefert das stationäre Glaser-Verfahren der DIN 4108-3 nur in einfachen Fällen verlässliche Ergebnisse, weil es die Rücktrocknung im Sommer und den kapillaren Feuchtetransport nicht abbildet. Für diffusionsoffene Systeme und größere Dämmstärken ist eine hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026 angezeigt, wie sie die WTA-Merkblätter beschreiben.

Wichtig sind eine begrenzte Dämmstärke, damit der Taupunkt nicht zu weit hinter die historischen Balken wandert, und ein intakter, schlagregendichter Außenputz.

Förderung Effizienzhaus Denkmal

Für Baudenkmäler gibt es die eigene Förderstufe Effizienzhaus Denkmal, die die Anforderungen an die erhaltenswerte Substanz anpasst und einen höheren Energiebedarf zulässt als beim normalen Effizienzhaus. Voraussetzung ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten. Die genauen Förderhöhen ändern sich häufig und sind vor dem Antrag direkt auf kfw.de zu prüfen; Grundlagen dazu unter KfW Effizienzhaus.

Häufige Fehler beim Denkmal

Nur Glaser gerechnet

Eine Innendämmung allein mit dem Glaser-Verfahren nachzuweisen ist bei kapillaraktiven Systemen unsicher. Bei diffusionsoffenen Aufbauten gehört die Simulation nach DIN EN 15026 dazu.

Zu dick gedämmt

Eine zu dicke Innendämmung kühlt die Bestandswand stärker aus und verlagert den Taupunkt in oder hinter die Holzbalken. Das Ziel sollte bewusst begrenzt werden.

Schlagregenschutz übersehen

Innendämmung funktioniert nur bei intaktem Außenputz. Eindringende Feuchte von außen kann nicht mehr nach innen abtrocknen.

Häufig gestellte Fragen

Muss ein Denkmal die U-Werte des GModG einhalten?

Nicht zwingend. Paragraph 105 erlaubt Abweichungen, wenn die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigt würde oder die Maßnahme unverhältnismäßig teuer wäre.

Wer entscheidet über die Ausnahme?

Sie wirkt kraft Gesetzes. Eigentümer beurteilen und dokumentieren sie, sinnvoll mit Energieberater und Denkmalbehörde, eine separate Genehmigung ist nicht nötig.

Warum Innendämmung statt Außendämmung?

Eine Außendämmung verändert die historische Fassade und ist daher beim Denkmal meist ausgeschlossen. Die Innendämmung erhält das Erscheinungsbild.

Welches Innendämmsystem ist am risikoärmsten?

Kapillaraktive, diffusionsoffene Systeme wie Kalziumsilikat mit Lambda um 0,05 bis 0,067 gelten als feuchtetechnisch robust und kommen ohne separate Dampfbremse aus.

Reicht der Glaser-Nachweis nach DIN 4108-3?

Bei Innendämmung meist nicht. Er ignoriert die Rücktrocknung und den Kapillartransport. Bei diffusionsoffenen Systemen gehört die Simulation nach DIN EN 15026 dazu.

Gibt es eine Förderung für Denkmäler?

Ja, die Stufe Effizienzhaus Denkmal. Die genauen Konditionen ändern sich häufig und sind vor dem Antrag direkt auf kfw.de zu prüfen.

Was kostet der Nachweis beim Denkmal?

Den Nachweis gibt es online ab 149 €. Bei Denkmälern kommt oft eine genauere Feuchtebetrachtung hinzu, die den Aufwand erhöht.

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Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Wärmeschutznachweis, GModG (früher GEG), KfW-Effizienzhausstufen und U-Wert-Berechnung nach DIN EN ISO 6946.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 26. Oktober 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • GModG Gebäudemodernisierungsgesetz (bis 28.07.2026 GEG), Paragraph 105 und Anlage 7
  • DIN 4108-3 (Feuchteschutz) und DIN EN 15026 (hygrothermische Simulation)
  • WTA-Merkblätter zur Innendämmung
  • KfW Effizienzhaus Denkmal (Konditionen tagesaktuell prüfen)
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 26. Oktober 2026. Frühere Stände sind über das Impressum nachfragbar.

KI und redaktionelle Prüfung

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Diese Seite ist redaktioneller Ratgeberinhalt, keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte gelten das GModG und die KfW-Förderlogik sowie Aussagen Ihrer Sachverständigen.

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