Neubau und KfW

Wärmeschutznachweis für den Neubau

Im Neubau ist der Wärmeschutznachweis kein optionales Extra, sondern Eintrittskarte fürs Bauamt und Grundlage für jede KfW Förderung. Wir führen Sie durch den Referenzgebäudeansatz, vergleichen EH 55 mit EH 40 NH, erklären, warum die Wärmepumpe längst Standard ist, was Photovoltaik wirklich in der Bilanz bringt und wie Sie den Sommer aus dem Haus halten. Vierzehn Minuten Lesezeit, danach reden Sie mit Architekt und Energieberater auf Augenhöhe.

Was ist der Referenzgebäudeansatz im Wärmeschutznachweis?

Der Referenzgebäudeansatz stellt jedem Neubau ein virtuelles Vergleichsgebäude gleicher Geometrie und Nutzung mit normierter Hülle und Anlagentechnik gegenüber; das geplante Gebäude muss dessen Primärenergiebedarf und spezifischen Transmissionswärmeverlust rechnerisch unterbieten, sonst gibt es keine Baugenehmigung. Geregelt ist der Ansatz im GEG, aus der Berechnung wird die Bauvorlage für den Bauantrag.

Die zwei Höchstwerte

Maßgeblich sind zwei Kennzahlen. Der Primärenergiebedarf Q P darf den Wert des Referenzgebäudes nicht überschreiten und der spezifische Transmissionswärmeverlust H T muss unter dem Referenzwert liegen. Ohne beide Nachweise gibt es keine Baugenehmigung.

Bilanz nach DIN V 18599

Die Bilanz erfasst Heizung, Trinkwarmwasser, Lüftung und Hilfsenergie. Anlagenaufwandszahlen, Vorlauftemperaturen und Erzeugerkennwerte fließen ein. Aus dem Endenergiebedarf wird mit Primärenergiefaktoren der Q P Wert abgeleitet.

Was sich beeinflussen lässt

Hüllqualität, Anlagentechnik und Geometrie sind die Hebel. Dickere Dämmung und bessere U Werte für Bauteile, eine Wärmepumpe statt fossiler Heizung, ein kompakter Baukörper mit A V Verhältnis nahe 0,5. Jede Maßnahme wirkt auf beide Höchstwerte gleichzeitig.

Welche KfW Effizienzhausstufen sind im Neubau relevant?

Im Neubau sind drei Stufen praxisrelevant: EH 55 mit 55 Prozent des Referenz Primärenergiebedarfs und 70 Prozent des Referenz Transmissionswärmeverlusts, EH 40 mit 40 und 55 Prozent sowie EH 40 NH mit zusätzlichem QNG Siegel und dem höchsten Tilgungszuschuss; der GEG Standard selbst ist nicht förderfähig. Wer Förderung mitnehmen will, baut also besser als das GEG verlangt.

Stufe Q P Anteil Referenz H T Anteil Referenz Förderung typisch
GEG Standard100 Prozent100 Prozentkeine
EH 5555 Prozent70 ProzentKfW 297, Tilgungszuschuss bei NH Klasse
EH 4040 Prozent55 ProzentKfW 297, KFN Programm bei NH Klasse
EH 40 NH40 Prozent55 Prozenthöchster Tilgungszuschuss, QNG Siegel

EH 55, der pragmatische Standard

EH 55 ist im Neubau gut erreichbar. Wärmepumpe, vernünftige Fenster, Wärmebrücken nach Beiblatt 2 und 18 bis 20 cm Außenwanddämmung reichen meistens. Mehrkosten gegenüber GEG Standard liegen oft im einstelligen Prozentbereich der Bausumme.

EH 40 mit Nachhaltigkeit

EH 40 verlangt deutlich mehr. Die Hülle ist sehr dicht, die Anlagentechnik effizient. Mit der Nachhaltigkeitsklasse NH und dem QNG Siegel erschließt Ihnen das KFN Programm der KfW. Tilgungszuschüsse machen die Mehrkosten oft wett. Im Bestand gelten parallel die BEG Sanierungsstufen, die ähnlich systematisch aufgebaut sind.

Bauteilanforderungen Neubau

Im Neubau zählt die Bilanz, nicht der einzelne U Wert. Trotzdem hilft eine Orientierung, welches Niveau die Hülle haben sollte, damit EH 55 oder EH 40 in Reichweite bleiben.

Außenwand

Mauerwerk plus 18 cm WDVS oder Holzrahmen 24 cm. U Wert 0,15 bis 0,20 üblich.

Dach

Zwischen und Aufsparrendämmung 28 cm gesamt. U Wert 0,12 bis 0,15.

Bodenplatte

XPS unter Bodenplatte, 16 cm. Estrichdämmung obenauf. U Wert 0,22 bis 0,28.

Fenster

Dreischeibe mit warmer Kante. Uw 0,80 bis 1,10. Bei EH 40 unter 0,90.

Wärmebrücken

Beiblatt 2 reduziert den Zuschlag auf 0,05. Detailberechnungen drücken weiter.

Luftdichtheit

Blower Door Test zeigt n50. Bei Lüftung mit WRG ist Wert unter 1,5 Standard.

Reicht eine Wärmepumpe für die 65 Prozent Quote im Neubau?

Eine Wärmepumpe als alleiniger Wärmeerzeuger erfüllt im Neubau die 65 Prozent Anforderung nach Paragraph 71 des Gebäudeenergiegesetzes; hybride Lösungen müssen den erneuerbaren Anteil rechnerisch nachweisen. Pellet oder Hybrid bleiben damit rechnerisch möglich, sind im Neubau aber selten wirtschaftlich. Nach Inbetriebnahme entscheidet die Heizungsoptimierung und Effizienzsteigerung über die tatsächliche Jahresarbeitszahl im Betrieb.

Luft Wasser Wärmepumpe

Standardlösung

Geringer baulicher Aufwand, JAZ um 3,5 mit Flächenheizung. Achten Sie auf Schallemissionen und Aufstellort.

Sole Wasser Wärmepumpe

Beste JAZ

Erdsonden oder Flächenkollektor. JAZ um 4,5, höchste Effizienz, mehr Investition zu Beginn.

Photovoltaik plus Speicher

Selbstversorgung

PV mit 10 kWp und 8 kWh Speicher senkt Q P deutlich. Direktverbrauch zählt in der Bilanz.

Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung von 80 Prozent oder mehr ist im Neubau Standard. Sie senkt Lüftungswärmeverluste massiv und schafft konstante Luftqualität. Eine begleitende Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 sorgt dafür, dass Wärmepumpe und Flächenheizung sauber dimensioniert sind. Welche Lüftungsstufen das Gebäude überhaupt braucht, klärt vorab ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6.

Trinkwarmwasser im System

Wärmepumpe für Heizung und Trinkwarmwasser bedeutet hohe Vorlauftemperaturen am Speicher. Frischwasserstationen oder Hochtemperatur Module helfen, die JAZ in der Heizphase niedrig zu halten.

Photovoltaik in der Bilanz

Photovoltaik klingt nach Effizienzbooster, wirkt im Wärmeschutznachweis aber nur eingeschränkt. Wer das nicht weiß, plant entweder zu klein und verfehlt die Effizienzstufe oder zu groß und zahlt drauf. Drei Stellschrauben entscheiden, wie viel von den kWp am Ende beim Q P Wert ankommt.

Direktverbrauch zählt, Einspeisung nicht

Eingespeister Strom wird in der Bilanz nicht angerechnet, weil er das Gebäude verlässt. Nur der Anteil, den Wärmepumpe, Lüftung, Hilfsenergie und Trinkwarmwasser direkt verbrauchen, mindert den Endenergiebedarf. Ohne Speicher liegt der Direktverbrauchsanteil bei rund 30 Prozent. Mit Speicher steigt er auf 60 bis 70 Prozent, weil PV Strom abends die Wärmepumpe versorgt.

Größenverhältnis kWp zu Wohnfläche

Faustregel im Einfamilienhaus, fünf bis sieben kWp PV plus zehn kWh Speicher reichen, um den Q P Wert um zehn bis fünfzehn Prozent zu drücken. Größere Anlagen liefern mehr Eigenverbrauch nur dann, wenn auch der Verbrauch wächst, etwa durch Wallbox oder Klimaanlage. Sonst wandert der Mehrertrag in die Einspeisung und ins Stromnetz, ohne Effekt im Wärmeschutznachweis.

Stromdirektheizung im Effizienzhaus

Wer mit PV und Stromdirektheizung plant, etwa Infrarotheizungen, gerät schnell an die Grenze. Das GEG verlangt, dass elektrische Direktheizungen nur dann zulässig sind, wenn das Gebäude den Q P Höchstwert mit deutlichem Abstand unterschreitet. In der Praxis bedeutet das EH 40 oder besser, plus eine sehr große PV Anlage mit Speicher. Die Wärmepumpe bleibt der pragmatischere Pfad.

Mieterstrom und Quartierslösung

Bei Mehrfamilienhäusern oder Quartiersprojekten lassen sich PV Erträge über Mieterstrommodelle besser nutzen. Hier rechnet die DIN V 18599-9 mit erhöhten Direktverbrauchsanteilen, weil der Strom innerhalb der Liegenschaft verteilt wird. Bei BEG WG Förderung kann das die Differenz zwischen EH 55 und EH 40 ausmachen.

Wie wird der sommerliche Wärmeschutz im Neubau nachgewiesen?

Der sommerliche Wärmeschutz wird im Wärmeschutznachweis nach DIN 4108-2 geführt, entweder über das vereinfachte Sonneneintragskennwertverfahren oder über eine thermische Gebäudesimulation; maßgeblich sind Fenstergröße, Orientierung, g Wert der Verglasung und vorhandener Sonnenschutz. Mit diesen Hebeln bleibt der Bau auch ohne Klimaanlage erträglich.

Verschattung

Außenliegender Sonnenschutz wie Raffstores, Markisen oder feststehende Lamellen. Innen liegende Vorhänge wirken nur eingeschränkt.

Speichermasse

Massivbau mit Beton oder Kalksandstein puffert Wärme tagsüber, Holzbau braucht zusätzliche Maßnahmen wie Lehm oder Estrich.

Nachtlüftung

Querlüftung oder gezielte Schachtlüftung in den frühen Morgenstunden. Reduziert Übertemperaturgradstunden im Nachweis nach DIN 4108-2 messbar.

Bauablauf und Schnittstellen

Der Wärmeschutznachweis ist nicht das Ende. Er steht am Anfang einer Reihe von Schritten, die bis zur Übergabe reichen.

  1. 1

    Wärmeschutznachweis

    Bilanz und Bauteilkatalog für den Bauantrag.

  2. 2

    KfW Bestätigung

    Energieeffizienz Experte erstellt die BzA für den Förderantrag.

  3. 3

    Bauleitung

    Bauteile prüfen, Bauteilkatalog mit Realität abgleichen.

  4. 4

    Blower Door

    Luftdichtheit messen, n50 Wert dokumentieren. Parallel laufen Schallschutz- und Brandschutznachweis.

  5. 5

    Übergabe

    Bestätigung nach Durchführung BnD an die KfW, Tilgungszuschuss anfordern.

Praxisfall

DHH bei München, EH 40 NH mit Sole Wasser

Doppelhaushälfte mit 156 Quadratmetern Wohnfläche, kompaktem Baukörper und A V Verhältnis 0,52. Sole Wasser Wärmepumpe mit Erdsonde, kontrollierte Lüftung mit 91 Prozent Wärmerückgewinnung, PV 11,5 kWp und Batteriespeicher 10 kWh.

Wärmeschutznachweis in 42 Stunden fertig. Q P bei 18 kWh pro Quadratmeter und Jahr, H T bei 0,21 W pro Quadratmeter und Kelvin. EH 40 NH mit QNG Siegel erreicht. KfW KFN Programm liefert 100.000 EUR zinsverbilligten Kredit plus 7,5 Prozent Tilgungszuschuss. Aus den gleichen Daten ergibt sich später ein Bedarfs Energieausweis für Verkauf oder Vermietung, ohne erneute Aufnahme. Wer den Neubau dann später verkauft oder beleihen lässt, holt sich parallel eine Neubau Bewertung durch einen Immobilienprofi in Köln und Umgebung.

Eckdaten

Wohnfläche
156 m²
Heizung
Sole Wasser WP
PV
11,5 kWp
Speicher
10 kWh
U Wand
0,15
U Dach
0,11
Q P
18 kWh/m²a
Stufe
EH 40 NH

Stolperfallen Neubau

Sechs Punkte, die Neubauten regelmäßig vom Förderprogramm abschneiden.

  1. Geometrie spät optimieren. Erker, Loggien, viele Versprünge erhöhen die Hüllfläche und damit H T.
  2. Heizung zu spät wählen. Wärmepumpe oder Hybrid muss vor dem Bauantrag stehen, sonst stimmt Bilanz und 65 Prozent Quote nicht.
  3. Wärmebrücken pauschal. 0,10 statt 0,05 bei Beiblatt 2. EH 55 wird damit oft verfehlt.
  4. PV ohne Direktverbrauch. Ohne Speicher zählt nur ein kleiner Teil im Nachweis.
  5. Sommerlicher Schutz vergessen. Große Südfenster ohne Verschattung führen zur Simulation.
  6. Energieeffizienz Experte fehlt. Ohne KfW Eintrag keine Förderung. Wärmeschutznachweis allein reicht nicht.

Vertiefende Themen

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Häufig gestellte Fragen

Fünf Antworten rund um den Wärmeschutznachweis im Neubau.

Was unterscheidet den Wärmeschutznachweis im Neubau?

Im Neubau wird die Bilanz mit dem Referenzgebäudeansatz aufgestellt. Maßgeblich sind Primärenergiebedarf, spezifischer Transmissionswärmeverlust und der Anteil erneuerbare Energien an der Heizleistung.

Welche Effizienzhausstufe ist sinnvoll?

EH 55 ist im Neubau Standard und förderfähig in den Programmen für klimafreundlichen Neubau. EH 40 mit Nachhaltigkeitsklasse erschließt zusätzliche Förderkredite mit Tilgungszuschuss.

Reicht eine Wärmepumpe für die 65 Prozent Quote?

Ja, eine Wärmepumpe als alleiniger Wärmeerzeuger erfüllt die Anforderung des GEG Paragraph 71. Hybride Lösungen müssen die Quote rechnerisch nachweisen.

Welche U Werte sind im Neubau üblich?

Außenwand 0,18 bis 0,22, Dach 0,12 bis 0,16, Bodenplatte 0,22 bis 0,28, Fenster Uw 0,80 bis 1,10. Bei EH 40 liegen die Werte typisch unter dem GEG Referenzwert.

Was kostet der Wärmeschutznachweis im Neubau?

Online ab 149 EUR Festpreis, klassische Energieberater zwischen 250 und 600 EUR für ein Einfamilienhaus. Mehrfamilienhäuser starten bei 800 EUR.

Wie viel PV bringt EH 55 oder EH 40?

Fünf bis sieben kWp plus zehn kWh Speicher senken den Q P Wert um zehn bis fünfzehn Prozent. Nur Direktverbrauch zählt in der Bilanz, eingespeister Strom nicht. Mit Speicher steigt der Direktverbrauch von 30 auf 60 bis 70 Prozent.

Was bedeutet QNG und KFN?

QNG ist das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, das im Programm Klimafreundlicher Neubau KFN der KfW Pflicht ist. EH 40 NH mit QNG erschließt zinsverbilligte Kredite mit Tilgungszuschuss.

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Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Wärmeschutznachweis, GEG, KfW-Effizienzhausstufen und U-Wert-Berechnung nach DIN EN ISO 6946.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 9. Juni 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • GEG Gebäudeenergiegesetz
  • DIN V 18599 Energiebedarf Gebäude
  • DIN EN ISO 6946 U-Wert-Berechnung
  • BEG WG, BEG EM, KfW-Förderkonditionen
  • BAFA-Liste Energieeffizienz-Experten
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 9. Juni 2026. Frühere Stände sind über das Impressum nachfragbar.

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